«Eintreten werde ich nicht!»

«Jetzt ist sie also endgültig übergeschnappt!»  So, oder so ähnlich reagierte mein Umfeld auf die Nachricht, dass ich in einen Orden eintreten würde. «Aber du bist doch so lebenslustig!» Auch diesen Satz hörte ich oft. Und dann gab es da auch Menschen, die zu mir sagten: «das passt!» oder «Meine Unterstützung ist dir sicher.» Ich glaube, die meisten Ordensleute und auch Priester bekamen solche  Worte zu hören, da bin ich keine Ausnahme. Mein Lebensweg und somit auch die Geschichte, die mich in meine Ordensgemeinschaft führte ist  nicht spektakulär, zeigt aber doch, wie Gott uns lenkt, und zwar genau dorthin, wo er uns haben möchte. Wie viele andere, bin ich in einer «ganz normalen» katholischen Familie aufgewachsen, deren Oberhaupt meine wunderbare, liebevoll-resolute Großmutter war. Sie hatte einen sehr bodenständigen Glauben, den sie ganz selbstverständlich an mich und meine Geschwister weitergab. Dafür bin ich ihr heute noch dankbar. In den späten Siebziger und Achtzigerjahren gehörten Ordensfrauen in unserer bayerischen Kleinstadt noch zum Alltag. Sie waren in Schule, Kindergarten und Krankenhaus präsent und ich, Jahrgang 1967,  habe ausschließlich gute Erfahrungen mit ihnen gemacht. Ich denke, das war schon der erste kleine Schritt zu meiner späteren Berufung. Im Grundschulalter «beglückte» ich meine Mutter mit dem Entschluss Klosterschwester zu werden. Es wurde mir sehr schnell wieder ausgeredet. Dann lebte ich ein ganz gewöhnliches Leben, war in der Pfarrjugend und im Kirchenchor engagiert und machte  eine Ausbildung zur Heilerziehungspflegerin. Meine Arbeit mit den verschiedensten Menschen mit Behinderung erfüllte mich, machte mir Freude und es hätte ewig so weitergehen können wenn nicht… Mein Glaube war mir wichtig, gab mir immer Halt und durch meinen Beruf und mein kirchliches Engagement kam ich immer wieder in Kontakt mit Ordensgemeinschaften. Es zog mich jedoch keine von ihnen wirklich an und Ordenseintritt war kein Thema.  Durch eine Freundin bin ich mit meiner jetzigen Gemeinschaft in Kontakt gekommen. Sie hatte eines Tages den Wunsch, die Kar- und Ostertage in einem Kloster zu verbringen. Doch weil sie schon über 50 Jahre alt war,  gab es von vielen Klöstern eine Absage.  Die Benediktinerinnen der Anbetung im Kloster St. Scholastika in Neustift sagten zu. Am Ostermontag darauf, war sie bei mir zum Essen eingeladen und schwärmte von dem Kloster, den Schwestern, der Liturgie und einfach von allem. Meine Antwort: „das wollte ich doch auch schon immer mal machen. Nächstes Jahr komme ich mit. Es war Gründonnerstag 1999, als ich das erste Mal das Kloster Neustift betrat. Eine kleine, ältere Schwester, Sr. Sylvia, war die erste Benediktinerin der Anbetung, die mir begegnete und meine ersten Gedanken waren: ist die lieb und haben die eine schöne Tracht! Schon damals war da noch etwas, so ein Gefühl von nach Hause zu kommen. Ich nahm es kaum wahr und dachte, das wäre einfach, weil alle so nett waren, aber irgendwie setzte sich das in mir fest.  Diese verbrachte ich im Kloster Neustift. Sr. Mirjam, meine spätere Novizenmeisterin, die mich auch während der Sabbatzeit betreute, erinnerte mich an meine ersten Worte, damals im Januar 2002: «Ich sag es Ihnen gleich, eintreten werde ich nicht!» Das war meine tiefste Überzeugung. Sr. Mirjam quittierte das mit einem verständnisvollen Lächeln und ich verbrachte sehr schöne, aber auch tiefbewegende drei Monate betend und arbeitend im Kloster Neustift. Es waren drei Monate, in denen ich meine Beziehung zu Gott erneuern und vertiefen durfte und ich fuhr mit einem Gefühl der inneren Gelöstheit wieder nach Hause in meinen Alltag, immer noch davon überzeugt, dass ich keine Ordensfrau werden würde.  Vier Wochen später war ich wieder dort, diesmal nur für ein Wochenende, dann wieder für stille Tage, und dann wieder und dann wieder und dann wieder… Mein Auto hätte die ca. 150 Kilometer zwischen meiner Wohnung und dem Kloster wahrscheinlich schon alleine fahren können. Ich war wieder einmal auf dem Rückweg von Neustift, als ich mich dabei erwischte, wie ich in Gedanken meinen Eintritt plante. Mich beschäftigte, wem ich meine Möbel und mein Auto geben würde, wann der beste Zeitpunkt für die Kündigung wäre und so weiter. Und dann sagte ich zu mir: «du gehörst da einfach hin!» Die Entscheidung war gefallen. Trotzdem plagten mich noch eine Zeit lang Ängste und Zweifel und ich sagte eines Tages zu Gott: «Willst du mich wirklich dort haben? Könntest du mir bitte ein Zeichen geben?» Tief in mir spürte ich seine Antwort: «Habe ich dir nicht schon genug Zeichen gegeben? Wie viele willst du denn noch?» Da wusste ich, was ich zu tun hatte. Am 5. Mai 2003 trat ich in den Orden der Benediktinerinnen der Anbetung in Neustift ein, am 31. Oktober 2003 wurde aus Stephanie Stöhr Sr. M. Magdalena, am 7. November 2004 machte ich Erstprofess und am 7. November 2009 durfte ich mich endgültig an Gott und meine Ordensgemeinschaft in der Ewigen Profess binden. Mein Weg der Berufung war und ist kein Spaziergang, es gab und gibt gute und weniger gute Tage, das ist das Leben. Bereut, dass ich auf diesem Weg gestartet bin, habe ich seit meinem Eintritt noch nicht eine Sekunde lang. 

Homepage des Klosters: https://www.benediktinerinnen-der-anbetung.de/

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