Augen haben für Jesus

Professpredigt: Erzabt Wolfgang Öxler OSB, St. Ottilien

Ev. Mk 10,46-52 Bartimäus




Profess - Augen für Jesus haben

Augen für Jesus haben - „Das was Du im Auge hast das prägt und trägt dich, in das hinein wirst du verwandelt. (Heinrich Spaemann) Dieser Satz begleitet mich schon sehr lange. Man könnte auch kurz sagen: Wohin ich schaue, dahin komme ich. Worauf schaust Du? Wer auf Jesus blickt, der landet auch bei ihm. In einem geistlichen Lied heißt es: „Im Schauen auf dein Antlitz, da werden wir verwandelt“. Wir sind vielleicht nicht blind, wie Bartimäus – aber Brillenträger. Für jede Gelegenheit besitze ich eine Brille. Meine Familienbrille, meine Kirchenbrille, meine Parteibrille, meine Arbeitsbrille. Die Brille meiner Vorurteile. Mein Novizenmeister hat mir aufgetragen, immer wieder in die Kirche zu gehen und den Blick auf Jesus zu richten, der bei uns am Hochaltar dargestellt ist.

Vom heiligen Pfarrer von Ars wird erzählt, dass er beim täglichen Gang durch seine Kirche immer wieder einen Bauern antraf, der stundenlang in einer Bank saß und still zum Tabernakel schaute. Eines Tages sprach er ihn an: "Was tust du hier die ganze Zeit?" Der Bauer antwortete: "Ich schaue Ihn an, und Er schaut mich an. Das genügt." Im Blick Jesu darf ich die Liebe Gottes zu mir und allen Menschen entdecken, denn er ist ja in diese Welt gekommen, um uns seine Liebe zu bringen und vorzuleben. Sein Blick auf mich vermag die Wunden meiner Seele zu heilen. Mein Blick auf ihn schenkt mir die Zuversicht, von Gott geliebt zu sein. Er gibt Kraft und Mut zum Leben und zum Lieben.

Bartimäus wirft seinen schützenden Mantel von sich ab. Der Mantel als Zeichen für das, was noch an mir hängt, wo ich denke das brauche ich unbedingt. Berufung hat immer auch mit Loslassen zu tun. Bartimäus geht auf Jesus zu und man könnte meinen er heilt ihn jetzt. Nein er stellt ihm die Frage: „Was willst du dass ich dir tue?“ Dieser Jesus nimmt uns auch die Entscheidung zur Berufung nicht ab. Er ruft und ich muss mich entscheiden und JA sagen. Dazu braucht es auch für mein Leben eine Entschiedenheit. In dem Wort Entschiedenheit steckt auch das Wort Scheidung. Man kann nicht alles haben!

Und Bartimäus antwortet: Rabbuni, ich will wieder sehen können. Das ist eine sehr vertrauliche Antwort. Nachfolge, Berufung braucht diese vertrauliche und tiefe Beziehung zu dem Rabbuni.

Jesus heilt den Bartimäus und öffnet im die Augen des Herzens. Da sagte Jesus: Geh! Dein Glaube, dein Vertrauen hat dir geholfen. Er konnte wieder sehen und folgte Jesus nach. Auch wenn unsere Augen blind sind geht es darum, daß wir Jesus mit unserem Herzen sehen. Es geht um diese enge und liebende Beziehung zu Jesus.


Herr, öffne mir die Augen

Herr, öffne mir die Augen, mach weit meinen Blick und mein Interesse, damit ich sehen kann, was ich noch nicht erkenne.

Herr, öffne mir die Ohren, mach mich hellhörig und aufmerksam, damit ich hören kann, was ich noch nicht verstehe.

Herr, gib mir ein großzügiges Herz, das sich deinem Wort und deiner Treue überlässt und zu tun wagt, was es noch nicht getan hat.

Herr, ich weiß, dass ich nur lebe, wenn ich mich von dir rufen und verwandeln lasse. Amen.

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