Mich an Gott binden

Professpredigt ( von Erzabt Wolfgang Öxler OSB – St. Ottilien)

Joh 15

Nachfolge - Mich an Gott binden

© Filip Vukina


Geschichte der Faden nach oben

Eines schönen Morgens glitt vom hohen Baum am festen Faden die Spinne herab. Unten im Gebüsch baute sie ihr Netz, dass sie im Laufe des Tages immer großartiger entwickelte und mit dem sie reiche Beute fing.

Als es Abend geworden war, lief sie ihr Netz noch einmal ab, um es auszubessern. Da entdeckte sie einen Faden, der ihr schönes Netz störte, weil er nicht in das Muster hineinpasste. Außerdem schien er vollkommen sinnlos zu sein - keine einzige Fliege hatte sich daran gefangen. Da sie schlecht gelaunt war und auch nicht mehr wusste, wozu er diente, biss ihn kurzerhand ab.

Sofort fiel das Netz mit ihr in die Tiefe, wickelte sich um sie wie ein nasser Lappen und erstickte sie; denn es war der Faden, an dem sie herabgestiegen war und der das Netz über den Boden hielt.


Den roten Faden in meinem Leben immer wieder zu finden. Das heißt immer wieder Orientierung zu finden. Wo geht mein Leben hin? Der Faden ist ein schönes Bild für die Ablegung der Profess. Der Professe bindet sich an Gott und zugleich an das Netz der Gemeinschaft.

Den roten Faden in meinem Leben immer wieder zu finden. Das heißt immer wieder Orientierung zu finden. Wo geht mein Leben hin? Der Faden ist ein schönes Bild für die Ablegung der Profess. Der Professe bindet sich an Gott und zugleich an das Netz der Gemeinschaft.

Im Evangelium wir uns das Bildwort vom Weinstock vor Augen gestellt. Hier geht es um das bleiben, das angebunden sein an Jesus Es lenkt unseren Blick darauf, dass wir nur durch bleibende Verbundenheit mit ihm Frucht bringen können. Jesus wünscht sich eine solche Beziehung zu seinen Jüngern, zu uns Menschen, wie sie zwischen Weinstock und Rebe besteht. Es geht Jesus um das BLEIBEN – wechselseitig: Er in uns und wir in ihm. In Christus bleiben – ist ein wesentliches Kennzeichen des Christseins und des Ordenslebens. Die organische Verbindung der Rebzweige mit dem Weinstock ist ein Bild für dieses Bleiben.

Das Wort Erwählen bedeutet im griechischen Urtext: sich einspannen, anspannen lassen, loslassen und sich binden lassen. (Bild vom Faden) Es geht darum, dem „Einen Notwendigen“ nachzugehen, mit Mut zum Wagnis sich auf den Weg zu machen. Immer wieder den Faden meines Lebens aufzugreifen und wissen woran mein Leben eigentlich hängt. „Ohne mich könnt ihr nichts vollbringen“. Ohne ihn können wir die tollsten Netzwerke aufbauen, damit das Leben in unserer Klostergemeinschaft floriert und wächst, aber wenn wir den Faden nach oben verlieren fruchtet nichts. Verbunden mit IHM heißt auch verbindlich zu bleiben, auch wenn ich damit angebunden werde und eingebunden und nicht jede Möglichkeit entfalten kann. Ein Mensch, der sich alle Möglichkeiten offen lässt macht zwar vielfältige Erfahrungen, reift aber nicht zu einer verlässlichen Persönlichkeit, die sich an etwas bindet. Freiheit und Bindung gehört wesentlich zusammen.


Wer Frucht bringen will, muss den göttlichen Lebensstrom in sich hineinlassen. Sich einlassen auf Gott um Mensch zu werden.

· Am Weinstock bleiben heißt durchlässig werden für den Lebenssaft Gottes.

· Am Weinstock bleiben heißt sich von liebegewordenem Trennen, wenn es längst fällige Veränderungen blockiert.


Jesus Christus, wer sich mit dir verbunden und von dir geliebt weiß,


der kann loslassen, weil er sich gehalten weiß

der kann herschenken, weil er die Fülle kennt

der kann verzichten, weil er sich reich fühlt

der kann einstehen, weil einer für ihn einsteht

der kann teilen, weil er beschenkt wird

der kann Stellung beziehen, weil er Stand hat

der kann bedingungslos lieben, weil er von dir Kraft hat.

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