Weil Gott uns liebt - berufen zur Liebe


© Gabriele Rasenberger



Was tun wir, wenn uns jemand sagt: „Ich liebe dich“?

Wie reagieren wir? Drei sind die häufigsten Möglichkeiten.

a) Entweder wir reagieren mit völliger Gleichgültigkeit und tun so, als hätten wir es nicht gehört. Oder wir tun so, als wäre es nicht an uns gesagt worden;

b) Oder wir reagieren mit einer gewissen Gleichgültigkeit, aber einer sanften Gleichgültigkeit, vielleicht weil wir nicht dem Gefühl entsprechen, dass jemand bekundet hat. Es gibt ein Vergleich für diesen Fall. Ein verliebter junge Mann kommt zu einem Mädchen und erklärt diesem: „Ich liebe dich“. Und das Mädchen sagt verlegen: „Danke“. Einfach nur „Danke“. Ich denke, das ist eine der schlechtesten Antworten, die jemand, der seine Liebe gesteht, hören möchte. Aber was könnte man tun, wenn man nicht in der Lage ist, zu sagen, was sich die andere Person hören wünscht?

c) Die dritte Möglichkeit ist die am meisten erwartete. Es ist die des Menschen, der ein „Ich liebe dich“ hört und aus tiefstem Herzen glücklich antwortet: „Ich liebe dich auch! Ich habe so lange darauf gewartet, das zu hören! Ich liebe dich auch, sehr sogar...“Und dann, wenn es ein Film wäre, würde jetzt die Szene des Kusses kommen.

„Ich liebe dich“: Die Liturgie stellt uns Liebeserklärungen vor.

Ich liebe dich, ich werde dich nicht allein lassen, ich werde bei dir bleiben, präsent sein, nicht nur mit meinen Lehren, mit meinem Schutz. Ich bleibe bei dir nahe, gegenwärtig, in meinem Leib und meinem Blut.

Das große „Ich liebe dich“ Christi, das am Kreuz seinen Höhepunkt finden wird, beginnt mit dieser Verheißung in der Eucharistie: Ich bin bei dir, ich bleibe bei dir.

Und um diese Erklärung konkreter zu machen, besser zu verstehen, wurde sie in der von Johannes beschriebenen Geste der Fußwaschung physisch, konkret demonstriert. Keine Herzen, keine Blumen, keine Pralinen. Das „Ich liebe dich“ wurde mit einer Schüssel, Wasser und einem Handtuch überreicht.

Kehren wir zu den drei Möglichkeiten der Reaktion zurück, die zu Beginn beschrieben wurden.

Wie reagieren wir auf das „Ich liebe dich“ von Christus?

a) Viele gehen mit Gleichgültigkeit umher. Sie laufen durch die Straßen ihrer Gemeinde und tun so, als ginge sie das alles nichts an, als hätten sie nichts damit zu tun. Sie ignorieren die Tatsache, dass der, durch den die Welt erschaffen wurde, gekommen ist, um unter uns zu leben, und im Brot der Eucharistie bei uns bleiben wollte.

b) Andere sind von höflicher Gleichgültigkeit geprägt. Sie sind höflich. Sie nehmen an Veranstaltungen der Gemeinde teil und können sich auch ab und zu in der einen oder anderen Form für das Gemeinwohl engagieren. Aber sie haben in sich selbst noch nicht die reale Möglichkeit entdeckt, auf die Liebe und aus Liebe zu antworten. Sie sind diejenigen, die einfach „Danke“ sagen. „Gott, wenn du mich liebst, ich danke Dir dafür“. Das ist gut. Besser das als gar nichts. Die Geste Gottes ist aber noch nicht in die Tiefen ihrer Herzen vorgedrungen und sie bleiben eher fremd in dieser Beziehung.

c) Die dritte Möglichkeit ist die der Gegenseitigkeit. Eine Gegenseitigkeit, die eine Illusion ist, weil wir nie jemanden so lieben können, wie er uns liebt. Am allerwenigsten Gott. Gott liebt uns unendlich! Aber wenn wir sein „Ich liebe dich“ hören, dann wollen wir ihn auch lieben. Und lieben, das wissen viele von Ihnen, lieben heißt nicht, es zu sagen, sondern es zu zeigen. Das wahre „Ich liebe dich“ sind nicht nur die Blumen oder Pralinen. Liebe ist oft die Frage: „Hast du schon gegessen?“ „Soll ich dir etwas zubereiten?“. Es ist konkret! Und im Bereich des Glaubens ist es die Antwort eines Menschen, der entdeckt hat, dass er sich in die Gemeinschaft einbringen kann, dass er die unentgeltlich empfangene Liebe zeigen und erwidern kann, dass er anderen die Füße waschen soll, dass er auf seine eigene Zeit und seine eigenen Wünsche verzichten soll, um für die anderen dabei zu sein, um ihnen zu helfen und mit ihnen Früchte und Freude zu schöpfen. Alles für die Liebe und aus Liebe.

Dies gehört zum Kern des Evangeliums. Das gehört zum Kern dieses Geheimnisses, das wir in den nächsten drei Tagen erleben werden.

„Ich liebe dich“ – sagt uns heute Jesus in der Eucharistie.

Wie werden wir auf seine Liebe reagieren?


Wer diese Predigt liest, bete darum, dass wir alle in Liebe auf Christi Frage antworten können.

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